Den Wildbienen auf der Spur. Von Eckernförde bis Boklund

Nicht nur der Honig der Honigbiene ist seit geraumer Zeit in aller Munde. Die Wildbienen bestimmen seit zwei, drei Jahren die Schlagzeilen. Für die emsigen Summer wird der Lebensraum knapper und knapper – vom „Bienensterben“ ist die Rede.

Wir haben uns mal umgehört, was sich dagegen tun lässt, und sind einfach dem Summen gefolgt.

Bis nach Boklund, zu Anette Hollenbach.

„Die Wildbienen sind das Thema, nicht die Honig­biene“, erfahren wir gleich zu Anfang. Die sympathische Frau macht einen sachlichen und sehr entspannten Eindruck. Mit Hysterie oder Übertreibung scheint sie nichts am Imkerhut zu haben. Auch sie nennt die Lage „dramatisch“: „Die Honigbienen wird es immer geben, denn die werden von uns Imkern gepampert. Aber die Wildbiene hat null Komma null Lobby.“

Dass sich in den letzten Jahren ein regelrechter Hype um die Wildbiene entwickelt hat, sieht Anette Hollenbach mit gemischten Gefühlen. Sie freut sich über das Bewusstsein für ein Problem, das ernsthafte ökologische Konsequenzen mit sich bringt. Und hofft gleichzeitig, dass sich die Situa­tion wirklich dauerhaft verbessert. „Wir können alle was tun“, macht Anette Hollenbach deutlich. Aber wie kann das klappen?

Ebbe im Blütenmeer

Allein in Schleswig-Holstein leben 270 nachgewiesene Wildbienenarten, deutschlandweit sind es rd. 560. Ein unglaublicher Artenreichtum – der ist in Gefahr. Die Gründe? Nicht selten sind Wildbienen auf eine Blüte „spezialisiert“. Hinzu kommt, dass Wildbienen max. 100 Meter zur Nahrungsquelle zurücklegen können. Verschwindet also eine Blüte von einem Standort, an dem sie mehrere Sommer geblüht hat, geht auch die dortige Population ein.

Wilder werden!

Bienen brauchen Blumen, aber die richtigen. „Vieles, was wir schön finden, ist für die Bienen ohne Nährstoff“, weiß Anette Hollenbach. Das Gegenmittel: den Garten oder Balkon bewusst „wild“ werden lassen – mit wilden und regionalen Blühpflanzen sowie Gewürzen aller Art! Diese bieten den Bienen das pure Pollenvergnügen. Und blühen in einer Farbenpracht, die wenig gemein hat mit der Vorstellung von verwucherten Balkonen. Im Gegenteil: Bienenfreundliche Samenmischungen (z. B. von www.bienenretter.com) gedeihen zuverlässig, blühen prächtig – und sind weitaus günstiger als gekaufte Balkonpflanzen. Probieren Sie es aus!

Gästehäuser eröffnen

Neben Nahrung braucht die Wildbiene vor allem Nistplätze. Das Gute: Diese sind nicht nur schnell gebaut – die Wildbiene ist auch der perfekte Gast. Sie wird weder Sie noch Ihr Marmeladenbrötchen bedrängen oder besonders sicht- und hörbar in Erscheinung treten.

Ein „Bienenhotel“ zu bauen ist ganz einfach: eine Konserve, hohle Bambusstäbe (Ø 4–8 mm) und etwas Gips genügen! Schleifen Sie die Ränder der Konserve glatt und streichen Sie etwas Gips aufs Bodeninnere. Jetzt stecken Sie möglichst viele Stäbe hinein und sägen diese bündig ab. Durch den Gips kleben sie am Boden fest. Wichtig: Die äußeren Bambusränder ebenfalls glattschleifen, sonst wird die Biene das Hotel nicht beziehen. Anschließend waagerecht an einem windstillen Ort aufhängen.

Gute „Baupläne“ finden Sie außerdem auf:
www.gwu-eck.de/bienenhotel

Auf Safari in der Bienenstadt

Wussten Sie, dass es die Wildbiene zumindest noch in Eckernförde recht gut hat? Unsere Stadt ist bienenfreundlich, attestiert uns Anette Hollenbach. Die Stadtgärtnerei nutzt kein Pflanzenschutzmittel und bringt die Grünflächen von Februar bis in den Oktober hinein zum Blühen. Und das bienengerecht – etwa mit Kohl oder Mangold. Anette ­Hollenbach: „Ein Blütenmeer am Meer, für Insekten sensationell!“

Gehen Sie selbst auf Entdeckungstour:
Im Rahmen einer „Bienen-Safari“ der Eckernförde Marketing und Touristik haben Groß und vor allem Klein die Möglichkeit, die heimischen Wildbienen unter fachkundiger Anleitung zu entdecken und zu erleben. Infos und Termine hält Melanie Slomke (Telefon: 0 43 51 71 79 28) für Sie bereit.

Blühpflanzen für den Balkon:

  • Glockenblume (Rundblättrige, Knäuel- oder Ranken-Glockenblume)
  • Schwertalant
  • Färberkamille
  • Felsen-Fetthenne
  • Scharfer Mauerpfeffer
  • Wollige Strohblume
  • Feld-Thymian
  • Blaukissen
  • Kugellauch

Königin der Hofbienerie

Anette Hollenbach ist über ihren Untermieter auf die Biene gekommen und hatte anfangs ziemliches Magensummen, als der das pelzige Völkchen anschleppte. Heute ist sie selbst Imkerin, und das im Vollerwerb. Ihre Kreationen gibt’s auf ihrer „Hofbienerie“ in Boklund. www.hofbienerie.de